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Kommunikation bei Datenschutz

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Datenschutz-Bingo; mit freundlicher Genehmigung von @kleinphi@social.tchncs.de
Datenschutz-Bingo; mit freundlicher Genehmigung von @kleinphi

Dieser Beitrag ist, seltsamerweise, an Diejenigen gerichtet, die Datenschutz bereits verstehen.

Ein Thema, dass mir schon seit Jahren den Kopf zerbricht, ist: «Wie kommuniziere ich Datenschutz-relevante Themen?», oder anders gesagt, wie kommuniziere ich, dass Datenschutz wichtig ist?

Ich glaube, es gibt dazu aber schon genügend Erklärungen im Netz, die das Thema weitaus eloquenter beschreiben, als ich dies jemals könnte.

Natürlich, ist es ein komplexes Thema, und es würde somit auch bedeuten, dass sich die Menschen intensiv damit auseinandersetzen müssten. Ich glaube nicht, dass es sehr realistisch ist, dies von allen, oder auch nur einem grösseren Teil der Menschen, zu erwarten.

Es gibt auch andere Ansätze, wo mit kleinen Argumenten versucht wird, zumindest klarzustellen, dass Privatsphäre wichtig ist. Wie z.B. «Wenn du, wie du sagst, nichts zu verbergen hast, gib mir doch mal dein Smartphone, damit ich deine Nachrichten lesen kann.» oder «Du machst doch auf Toilette auch die Tür zu».

Diese Antworten sind vielleicht gut, um kurz zu veranschaulichen, dass wir doch irgendwie alle Privatsphäre möchten. Ich glaube aber auch, dass solche Argumente, das Ziel weit verfehlen. Denn im Grunde, wissen wir doch alle irgendwie schon, dass wir Privatsphäre brauchen. Nur deshalb funktioniert das Argument ja.

Daher möchte ich heute nichts predigen, sondern einen anderen Ansatz wählen, und stattdessen versuchen zu verstehen, und ein paar Beobachtungen und Gedanken teilen.

Ich glaube, um das Ganze zu verstehen, müssen wir sehr weit zurückgehen: In unsere Kindheit. Erinnert Ihr Euch, an die Geschichten von damals? Gut gegen böse, und gut siegt immer über böse. Das ist die Art von Geschichten, mit denen wir vermutlich alle aufgewachsen sind.

Im Erwachsenenalter, geht es mit so Geschichten eigentlich weiter. Wie oft habt Ihr eigentlichen einen Film gesehen, wo das böse gewinnt? Oder Krimi-Fernsehserien, wo die Polizei mal nicht die guten sind?

Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht, was das mit Datenschutz zu tun hat. Es hat sich aber gezeigt, wer regelmässig solche Krimis im Fernsehen sieht, auch ein Gefühl dafür bekommt, dass «das System» auch so wie im Fernsehen dargestellt wird, funktioniert. Da «das System» sehr positiv dargestellt wird, ist dann das Weltbild gegenüber dem System positiv.

Der Punkt: Ich glaube, wer nicht informiert ist, und glaubt, «das System» funktioniert fehlerlos, und ebenfalls glaubt, gut siegt immer über böse, der kann mit gutem Gefühl sagen: «Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten». Macht dann doch aus der Perspektive auch irgendwie Sinn, oder?

Ich habe dieses lustige Gehirn, dass zu viel nachdenkt, und sich Fragen stellt, die sich normale Menschen nicht so wirklich stellen. Wenn ich z.B. Bedenken zu einem Produkt, Lebensmittel, Material usw. habe, und dies auf meine spezielle Art und Weise äussere, kommt eigentlich meistens die Antwort: «Die würden das doch nicht machen, wenn es dir schaden würde!»

Da ist wieder dieser Glaube, dass doch irgendwie alles gut sein wird. Dass das Rechtssystem funktioniert, dass die Gesetze dich beschützen, und die Firmen sich daran halten, und sowieso nur dein Bestes wollen. Gut siegt halt eben über böse, wird geglaubt.

Jetzt kommen wir zurück zu unserem vorherigen Beispiel: «Wenn du, wie du sagst, nichts zu verbergen hast, gib mir doch mal dein Smartphone, damit ich deine Nachrichten lesen kann.»

Was ist hier eigentlich anders? Warum wird da gezögert oder abgelehnt? Ich habe da einen Gedanken zu. Wir Menschen haben eigentlich alle irgendwelche Erfahrungen mit anderen Menschen. Gute sowie schlechte. Und wir haben das Bewusstsein, dass nicht alle Menschen das Wohl anderer im Sinn haben.

Ich glaube, dieses selbe Bewusstsein fehlt gegenüber «dem System». Wir haben alle als Menschen mit Menschen zu tun, aber selten mit dem Rechtssystem, den Gesetzen, den Firmen, den Behörden, der (echten) Politik.

«Das System» ist abstrakt und gesichtslos. Wer sich auf Facebook registriert, sieht kein Gesicht, welches sagt «Gib mir mal dein Smartphone, ich möchte deine Nachrichten lesen», und sieht stattdessen eine Firma, welche unter Gesetzen steht, welche einen beschützen sollten, zusammen mit dem Glauben «die würden ja nicht den eigenen Kunden schaden».

Ich glaube also, das benötigte Bewusstsein, ist zum Teil schon da, aber eben nur gegenüber anderen Menschen mit Gesichtern.

Wir können also aufhören, über Datenschutz zu reden, solange die Menschen eine rosarote Brille anhaben, und müssen stattdessen die rosarote Brille durchbrechen.

Wie schaffen wir das? Mit Aufklärung. Aber da sind wir doch irgendwie am Anfang gelangt, und können uns wider den Kopf darüber zerbrechen.

Wer den Beitrag jetzt als sinnlos empfindet: Der Sinn war es, eine mögliche Art des Denkens und Weltbildes aufzuzeigen. Denn nur wer das Gegenüber versteht, kann auch effektiv kommunizieren.

Nun müsst ihr euch im Grunde selber eine Frage stellen: «Wie ist mein eigenes Weltbild, und was hat mich damals eigentlich auf Datenschutz sensibilisiert?»

Vielleicht, wenn Ihr diese Frage beantworten könnt, könnt ihr es auch kommunizieren. Ich sehe jetzt schon, ich werde tief in Gedanken gehen müssen, um diese Frage für mich selber zu beantworten.


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